Die angehende Logopädin Janine und Thore Schölermann stehen Rücken an Rücken. 
Beide haben einen Korken im Mund. Thore Schölermann trägt ein orange-schwarz kariertes Hemd.  Janine trägt ein graues Oberteil.
Logopäde/-in

Nicht auf den Mund gefallen mit Thore

Janine hilft Menschen jeden Tag dabei, ihre Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern. In ganz Deutschland gibt es mindestens 29.000 Logopädinnen und Logopäden – und sie sind viel gefragt.

Alle Infos zum Beruf Logopäde/-in

Logopädinnen und Logopäden arbeiten in Krankenhäusern, Rehakliniken, ambulanten Praxen oder Förderschulen. Alle eint das Ziel: die Sprache, die Stimme, das Sprechen und Schlucken ihrer Patientinnen und Patienten wieder herzustellen oder zu verbessern. Therapiert werden unter anderem Lese-Rechtschreib-Störungen, Stottern, Sprachverlust beispielsweise nach einem Schlaganfall oder nach einem Unfall, Störungen beim Schlucken oder auch kommunikative Störungen bei Menschen mit Behinderung wie Autismus oder Down-Syndrom. Logopädinnen und Logopäden arbeiten aber auch vorbeugend und sind unter anderem in Kindergärten und Grundschulen unterwegs. Sie behandeln also Menschen jeden Alters, weshalb viel Einfühlungsvermögen und Sensibilität gefragt sind.


Alle Infos zur Ausbildung

Was du als Logopäde/-in leistest
Die passende Therapie ist immer eng an das Ziel gekoppelt. Dafür sind die logopädische Untersuchung und der ärztliche Befund wichtig. Aber auch die Lebenssituation der Patienten und ihrer Angehörigen wird miteinbezogen. Die vielen verschiedenen Störungsbilder brauchen eine große Bandbreite an Behandlungsmethoden. Sie sind meistens sehr praktisch angelegt und verzichten auf Medikamente. Mit verschiedenen Übungen wird zum Beispiel die Muskulatur im Mundbereich ins Gleichgewicht gebracht, eine richtige Zungenruhelage erarbeitet und ein physiologisch richtiges Schlucken trainiert. Außerdem werden Patienten, ihre Angehörigen oder Kinder und Jugendliche in Kindergärten oder Schulen beraten und ihnen wird gezeigt, wie sie auch möglichst selbstständig trainieren können.

Gute Work-Life-Balance
Deine Arbeitszeiten hängen von mehreren Faktoren ab, vor allem von deinem Arbeitsort. In einer ambulanten logopädischen Praxis arbeitest du in der Regel werktags, meist von 9 bis 18 oder 20 Uhr. In einem Krankenhaus oder Rehabilitationszentrum kann das anders aussehen. Hier kommt Schichtdienst vor, seltener aber Wochenendarbeit.

Was du als Logopäde/-in verdienst
Das Gehalt einer Logopädin oder eines Logopäden hängt unter anderem ab von der Region, in der du tätig bist, und vom Arbeitgeber.
Eine erste Orientierung bietet die Bundesagentur für Arbeit.

Dauer und Inhalt der Ausbildung
Um den richtigen Zusammenhang zwischen Symptom und Ursache herstellen zu können, brauchst du eine Menge medizinisches Wissen, weshalb die Logopädieausbildung anspruchsvoll ist. Die dreijährige Ausbildung machst du an einer von ca. 65 staatlichen und privaten Berufsfachschulen. Hier lernst du das theoretische Hintergrundwissen, wie zum Beispiel den Aufbau der Sprech- und Stimmorgane sowie die Grundlagen der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, und du erfährst, wie man pädagogisch richtig mit den Patienten umgeht. Für die praktische Ausbildung sind 2.100 Stunden eingeplant, in der du unter anderem Praxiseinsätze in Phoniatrie und Logopädie hast. Hier kannst du dein theoretisches Wissen testen. Du lernst beim Umgang mit Patienten, wie man das richtige Einfühlungsvermögen entwickelt, einen Befund erhebt, eine Therapie plant und zum Beispiel Arztberichte schreibt.
Während deiner Ausbildung stehen eine ganze Reihe Schwerpunkte auf dem Lehrplan, unter anderem Logopädie, Phoniatrie, Audiologie/Pädaudiologie, Neurologie/Psychologie sowie Berufs-, Gesetzes- und Staatsbürgerkunde. Die Abschlussprüfung enthält einen schriftlichen, mündlichen und einen praktischen Teil, wo eine echte Behandlung simuliert, eine Anamnese, also eine Befragung des Patienten, erhoben und ein Behandlungsplan erstellt wird.

Logopädie als Studium
Das Bachelorstudium ist in Form von Modellstudiengängen auch für die Logopädie eingeführt worden. Im Studium wirst du mehr wissenschaftlich ausgebildet, sodass du auch Studien konzipieren, durchführen und auswerten kannst, die z. B. Anwendungs- und Behandlungsempfehlungen für den Fachbereich geben können. Das Studium ist interdisziplinär und als grundständiger oder berufsbegleitender Studiengang angelegt. Zu den Inhalten gehören unter anderem Phoniatrie, Pädiatrie, Linguistik, aber auch methodische Fächer, in denen logopädische Krankheitsbilder, Diagnosen und Therapiemöglichkeiten gelehrt werden. In diesen praxisorientierten Kursen leitest du zum Beispiel ein Sprachlabor und führst phonetische Untersuchungen durch. Außerdem ist ein Praktikum in den ersten vier Semestern Pflicht. Die konkreten inhaltlichen Schwerpunkte der Bachelorstudiengänge variieren je nach Hochschule. Bei diesen Modellstudiengängen legt man nach dem sechsten Semester die Zulassungsprüfung zum staatlich anerkannten Logopäden ab und am Ende des Studiums erhält man zusätzlich den Bachelortitel. Solltest du schon eine abgeschlossene Logopädieausbildung haben, ist ein Sprung direkt ins vierte Semester möglich. Voraussetzung für das Studium ist die Allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife, häufig auch ein sprachliches Eignungszeugnis und ein Vorpraktikum.

Was musst du mitbringen, um Logopäde/-in zu werden?
Du solltest mindestens einen Realschulabschluss bzw. eine gleichwertige abgeschlossene Schulbildung haben. Auch der Hauptschulabschluss in Kombination mit einer abgeschlossenen, mindestens zweijährigen Berufsausbildung ist möglich. In der Regel brauchst du einen Nachweis über deine gesundheitliche Eignung. Oft ist auch ein, ggf. erweitertes, Führungszeugnis nötig. Die Voraussetzungen der Berufsfachschulen weichen manchmal etwas voneinander ab, einige verlangen zum Beispiel ein Attest über Sprach-, Seh- und Hörvermögen und eine Aufnahmeprüfung.

Entwicklungsmöglichkeiten als Logopäde/-in
Für die Spezialisierung in diesem Berufsfeld bieten sich verschiedene Behandlungsmethoden an. Beliebte Fortbildungen sind die Mund-, Ess- und Trinktherapie und Therapien zu sprechmotorischen Störungen und manuelle Lymphdrainage. Wer sich eher im administrativen Bereich sieht und sich eine Stelle im Management einer Gesundheitseinrichtung vorstellt, kann eine kaufmännische Weiterbildung machen und Betriebswirt für Management im Gesundheitswesen oder Fachwirt im Sozial- und Gesundheitswesen werden. Auch im akademischen Bereich gibt es weitere Qualifizierungsmöglichkeiten wie zum Beispiel einen Master in Gebärdensprache, Rehabilitationspädagogik oder Sonderpädagogik.

Ein Beruf mit Zukunft

Wie bei allen Tätigkeiten im Gesundheitsbereich gilt: So lange Menschen Beschwerden wie Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen haben, gibt es in Therapie und Prävention viel zu tun. Das Gesundheitswesen im Allgemeinen ist ein großer Wachstumsmarkt und eine zukunftsorientierte Berufswahl, denn das Gesundheitsbewusstsein der Menschen wächst. Logopädinnen und Logopäden finden nach ihrer Abschlussprüfung meist sehr schnell nach der Ausbildung eine Stelle. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels profitierst du von guten Zukunftsaussichten und kannst durch Weiterbildungen deine Karriere in bestimmte Bahnen lenken.


Logopädie ist etwas für dich, wenn …

  • 1 … dir die Zusammenarbeit mit Menschen, insbesondere Kindern, Spaß macht.
  • 2 … du kreativ bist und dir immer neue, abwechslungsreiche Übungen einfallen.
  • 3 … es für dich selbstverständlich ist, Geduld und Verständnis für deine Patienten aufzubringen.

Du solltest besser nicht Logopäde/-in werden, wenn …

  • 1 … du selbst unter Sprach- oder Hörproblemen leidest.
  • 2 … Geduld nicht deine Stärke ist.
  • 3 … dir der Umgang mit Menschen mit Behinderung schwerfällt.